Das Märchen von Europa

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Tausende Flüchtlinge sind auf dem Weg nach Europa in der Hoffnung ein sicheres Leben in Europa führen zu können. In den Schlagzeilen liest man immer wieder über Probleme, mit denen die Flüchtlinge in den letzten Wochen konfrontiert werden. Das Foto des 3-jährigen syrischen Jungen Aylan Kurdi, dessen Leiche an einen türkischen Strand angespült wurde, erschütterte die Welt und sorgte weltweit für Schlagzeilen über die Flüchtlingskrise. Dieses Ereignis zog die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Krise, welche eigentlich schon seit Jahren andauert. Das Foto mit dem toten Körper des kleinen Aylan Kurdi verbreitete sich sehr schnell im Internet und löste weitverbreitete Bestürzung aus. Auch die Mutter sowie der 5-jährige Bruder des kleinen Aylan verstarben an diesem Unglück. In kürzester Zeit zwang dieses Geschehen die europäischen Länder ernsthafte Maßnahmen zu ergreifen und es entwickelte sich zu einem gesellschaftlichen Thema. Dies ist jedoch nur ein einziges Beispiel der grausamen Flüchtlingsdramen.

Flüchtlinge, die mit massiven Misshandlungen der Polizei in Mazedonien konfrontiert wurden, sowie Flüchtlinge, die in der Hoffnung waren nach Frankreich und England zu gelangen, nahmen harte Reaktionen der Polizei in Kauf. Eine weitere Tragödie ereignete sich in Österreich. Der Anblick der Leichen in einem verlassenen Lastwagen am Rand einer Autobahn löste Empörung aus. In dem Lastwagen befanden sich die Leichen der 71 Flüchtlinge, darunter Frauen sowie vier Kinder.

Die Empörung nach den aufeinanderfolgenden Ereignissen kann nicht ignoriert werden. Trotz allem bleiben Hilferufe oft unbeachtet. Viele streben nach der eigenen Existenz und einem geregelten Leben.

Der tote Körper des kleinen Aylan öffnete vielen die Augen und löste ein wichtiges Umdenken aus. Die ganze Welt wurde auf das Flüchtlingsdrama aufmerksam und die Herzen der Politiker erweichten. Nach all diesen Ereignissen wurde die Flüchtlingspolitik in manchen europäischen Ländern geändert und es wurde entschieden, die Zahl der Flüchtlinge zu erhöhen. Dies ist natürlich ein guter Ansatz, die Maßnahmen sind jedoch nicht ausreichend.

Um die Härte der Flüchtlingskrise zu verstehen, ist es notwendig über einige Fakten im klaren zu sein. Der seit fünf Jahren andauernde Krieg führte dazu, dass etwa die Hälfte der syrischen Bevölkerung ausgewandert ist. Vier Millionen der Syrer flüchteten in Nachbarländer. Die im Vergleich ärmere Türkei mit einem Bruttoinlandsprodukt von 10 000,- $ hat etwa 1,9 Millionen Flüchtlingen die Türen geöffnet und für Hilfestellungen ca. 6 Milliarden $ aus seinem Budget ausgegeben. England, das mit 40.000 $ eines der reichsten Länder ist, hat zu Beginn nur 187 Flüchtlinge aufgenommen. Nach den letzten Vorfällen wurde jedoch entschieden, dass bis 2020 die Zahl auf 20.000 erhöht wird. Libanon hat einen Bruttoinlandsprodukt von 9.144,- $. Trotzdem öffneten sie die Türen für 1,1 Millionen Flüchtlinge. Norwegen ist mit 100.000,- $ Bruttoinlandsprodukt das reichste Land und hat nur 1.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen.

Gianni Pittella, Vorsitzender im Europäischen Parlament, wies auf die verwunderliche Situation hin und sagte: „Die Tatsache, dass die Mitgliedsstaaten der EU sich nach fünf Monaten immer noch nicht über die Umsiedlung von nur 40.000 Flüchtlingen einigen konnten, ist lächerlich. Während bestimmte EU-Mitgliedsstaaten sich darüber zanken, ob sie 250 oder 500 Flüchtlinge aufnehmen sollen, haben die Türkei, der Libanon und Jordanien über 3,5 Millionen aufgenommen. Das ist ein Beweis für die Humanität und Solidarität dieser Länder und eine Anklage gegen Europas Mangel an beidem. Wie können wir angesichts solcher Zahlen weiterhin einen weltweiten Führungsanspruch in Bezug auf die Menschenrechte stellen?

Europa wurde einst als Wiege der Zivilisation betrachtet und ist als Führer für die Vertretung der Menschenrechte und der Freiheiten bekannt. Unabhängig von der Herkunft, ein sicherer Ort, von dem man sich erhoffen konnte, ein menschliches und respektvolles Leben führen zu können. Heute ignoriert Europa die Hilfeschreie und wendet sich mit Beharren von der Flüchtlingskrise ab. Darüber hinaus herrscht eine unfassbare Diskriminierung der Muslime. Auch wenn dies zum Teil dem Radikalismus in den islamischen Ländern zuzuschreiben ist, kann dies die Missachtung hilfloser Menschen nicht rechtfertigen. Insbesondere wenn Frauen, Kinder und ältere Menschen jeden Moment mit Tod, Folter, Armut, Hunger und Missbrauch konfrontiert werden können. Daher ist das tatsächliche Problem, der tiefe verwurzelte Mangel an Liebe und Mitgefühl. Es ist offensichtlich, dass Europa und andere reiche Länder die Möglichkeit hätten, diese Menschen aufzunehmen und ihnen Unterkunft zu bieten. Das Budget wäre vorhanden, um die Bedürfnisse der Flüchtlinge zu decken und ihnen ein menschenwürdiges Leben zu gewährleisten. Darüber hinaus könnte die Integration dieser Menschen durch unterschiedliche Bildungsprogramme gefördert werden und dabei helfen, dass sie zu Bürgern werden, die der Gesellschaft einen Beitrag leisten, fern von Radikalisierungen jeglicher Art. Die Tragödie wird jedoch weiterhin von der westlichen Welt ignoriert.

Trotz allem lebt das Verständnis für Humanität und Zuneigung in den Herzen der Bürger Europas. Die Hilfsbereitschaft und die herzliche Begrüßung, welche den mit Zügen anreisenden Flüchtlingen durch Tausende europäische Bürger entgegengebracht wurde, ist ein Zeichen dafür. Also ist es für nichts zu spät. Europa muss, wie in der Vergangenheit, erneut einen positiven Wandel erleben. Das einzige, was Europa tun muss, ist für die Verteidigung der Menschenrechte und der Freiheiten aufzustreben. Die Welt sollte Europa nicht aufgeben und Europa sollte die Welt nicht aufgeben.

 

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