Wie können europäische Familien ihre Kinder davor schützen sich dem IS anzuschließen?

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Zurzeit stellen sich Muslime aus Europa und den USA die Frage, wie sie es verhindern können, dass sich ihre Kinder dem IS anschließen. Europäische Länder versuchen für diese Gefahr Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Bereits in den letzten 20 Jahren haben wir von vielen radikal islamischen Organisationen wie die Taliban, die Al-Nusra-Front oder die Al-Qaida und vielen weiteren gehört. Nun aber definiert sich eine weitaus stärkere, organisierte und stets wachsende Terrorgruppe in Verbindung mit dem Islam zu sein: der IS.

Am furchteinflössendsten an dieser Organisation ist, dass die Mitglieder nicht nur aus der als muslimisch bekannten Bevölkerung stammen, sondern viel mehr weltweit, Europa mit inbegriffen, aus vielen westlichen Städten Zuwachs bekommen. Familien, bei denen wir uns solche Ideologien nicht vorstellen können, verlieren ihre Kinder an den IS. Der IS hat einen ausschlaggebenden Unterschied zu anderen Organisationen, denn sie zwingen niemanden mitzumachen. Im Gegenteil, der ehrliche Aufruf und die Ideologie hinterlassen bei den Menschen einen bleibenden Eindruck.

Wie sollte also mit dem IS vorgegangen werden?

Es ist offensichtlich, dass die effektivste Methode eine Gegenideologie ist, da diese Menschen sich mit dem Gedanken zu sterben auf den Weg machten;  eine Einschüchterung durch Macht wird weniger effektiv sein, wie wir bereits sehen. Der IS hat eine falsche Auffassung vom Islam. Die Quelle des Islam ist der Koran. Allerdings hält sich der IS anstelle dessen an Aussprüche, die dem Propheten in den Mund gelegt und als Hadithe bezeichnet werden. Es ist offensichtlich, dass viele dieser ausgedachten Aussprüche, für wahr gehalten und umgesetzt werden.

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Jürgen Todenhöfer während einer Reportage mit einem IS-Mitglied aus Deutschland.

Das einzige um dem entgegenzuwirken ist, sie mit dem Koran zu überzeugen und diejenigen, die potenziell einfacher zu beeindrucken sind, die richtige Lehre mit auf den Weg zu geben. Wichtig ist, dass ausnahmslos jeder dieses Wissen beherrscht.

Als die Türkei die europäischen Länder dazu aufforderte mehr Verantwortung zu übernehmen, damit die Teilnahme an der IS gedämmt wird, haben diese Länder ihre Grenzkontrollen verschärft. Doch als dann bekannt wurde, dass trotz der Sicherheitsvorkehrungen drei Mädchen aus England wieder über die Türkei nach Syrien einreisten, wurde klar, dass diese Maßnahmen alleine nicht ausreichten.

Damit man dieses Problem lösen kann, ist es wichtig zu wissen, was die Ursache des Problems ist. Eine Ursache liegt in der Vergangenheit und in den Lebensbedingungen dieser Länder. Muslime werden in vielen europäischen Ländern wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Sie leben nicht einmal im Mittelstand. Viele leben in sogenannten Vorstadtdörfern, wie zum Beispiel in Frankreich.

Die BBC veröffentlichte auf ihrer Website ein Analyseartikel mit dem Titel: „Die Menschen aus anderen Welten am Rande von Paris” von Henri Astier. Darin steht, dass sich die Muslime in Frankreich ausgeschlossen und vernachlässigt fühlen. Vor allem sagen sie, dass die Diskriminierung am Arbeitsmarkt sehr groß sei und dass die französische Polizei sehr hart gegen Migranten vorgehen würde.

Wenn man dem ganzen auch noch die fatalen Gesetzesänderungen der Regierung addiert, wird die Diskriminierung noch deutlicher. Eines dieser fatalen Gesetze ist, dass den muslimischen Frauen, welche in Kindergärten arbeiten oder Kinder zu Hause betreuen, das Kopftuch tragen verboten wurde. Dass im Kampf gegen Radikalismus Gesetzesänderungen gemacht werden ist ganz normal, doch sollte man die Ergebnisse gut einschätzen und überdenken.

Die Angriffe in europäischen Ländern auf Moscheen oder die NSU Morde in Deutschland, auch bekannt als Dönermorde, wie auch die PEGIDA Organisation, erhöhen die Gefahr das Ausländer radikalisiert werden.

Die USA hat den Irak angegriffen, mit der Begründung der Irak stelle Waffen her. Als sich herausstellte, dass dieser Beweggrund bodenlos ist, verkündete die USA, dass der eigentliche Beweggrund des Krieges das Etablieren der Demokratie und der Freiheit sei. Jedoch hat der Irak weder die Freiheit noch die Demokratie erfahren sondern nur den Tot.

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Die BBC hat in der Sendung vom 16. November 2013 die Ergebnisse einer gemeinsamen Studie der Universitäten im Irak, in den USA und Kanada veröffentlicht. Laut dieser Studien verloren in den Jahren 2003-2011 400.000 Menschen ihr Leben aufgrund der Kriege. Der Ausspruch des amerikanischen Armeeführers, unter dessen Leitung der Irak besetzt wurde, nämlich “Wir zählen keine Leichen” (We don´t do body counts) war der Beweis für die unsensible Haltung der USA gegenüber der Bevölkerung.

Die USA und Europa zögern nicht andere Länder zu bombardieren, zu zerstören oder Blut zu vergießen, sofern ihre eigene Bevölkerung bedroht wird. Der IS hingegen propagiert mit der Behauptung trotz der Angriffe allein den Islam zu verteidigen und vermehrt so seine Anhänger. Die Tatsache, dass der IS den Muslimen verlockend erscheint, hat, wie der Westen glaubt, nicht nur den Hintergrund, dass sie den Kriegern einen monatlichen Lohn von 1500€ versprechen. Viel weitgreifender sind andere Beweggründe. Der IS zeigt Werke als Referenzen, die das muslimische Ansehen genießen. Diese Werke setzen sich aus angeblichen Aussprüchen islamischer Gelehrter zusammen, sind aber in Wahrheit an hochgradigem Aberglauben gestützte Aussprüche. Der IS behauptet, dass die meisten Muslime gehemmt sind diese auszuüben, sie selbst hingehen seien dabei erfolgreich.

Menschen, deren Wissen über den Koran unzureichend oder gar falsch sind, glauben an die Behauptungen der IS, dass der Islam zum Blutvergießen ermutigt, Frauen verachtet und die Wissenschaft, wie auch die Kunst ablehnt, obwohl diese Haltung zu dem heiligen Buch der Muslime, dem Koran, von Grund auf konträr ist. Der Koran möchte, dass die Muslime vergebend sind, für die Wissenschaft streben und die Frauen bevorrechten, ihnen gegenüber liebevoll und schützend sind. Die meisten Muslime hingegen, die dem Koran den Rücken gekehrt haben und sich dem Aberglauben gewidmet haben, halten diesen Aberglauben für richtig und sind dadurch über all dies unwissend.

Was sollte in solch einer Situation getan werden? Zu aller erst muss eingesehen werden, dass rechtliche Ordnungen, welche die Muslime be- oder einschränken, negative Auswirkungen haben. Die ökonomischen Voraussetzungen europäischer Muslime müssen wieder hergestellt werden. Es muss hervorgehoben werden, dass der Islam nicht gleichbedeutend mit dem Radikalismus ist und somit ein Muslim nicht als ein potenzieller Terrorist bewertet wird. Nicht zuletzt dürfen Staatsleute in Europa die Muslime nicht als untere Schicht behandeln. Um dies zu verhindern, müssen gesetzliche Regelungen getroffen werden.

Das sind die vorrangig technischen Maßnahmen. Wichtiger ist jedoch zu erklären, dass die Werte, die das bigotte, islamische Verständnis verteidigt nicht mit dem Koran übereinstimmen. Ferner muss eilig umfangreiche Bildungspolitik betrieben werden. Westliche Staaten müssen in Einrichtungen, in denen der Islam gelehrt wird, voraussetzen, dass die Lehrstunden vom Aberglauben getrennt und nur auf den Koran stützend geführt werden.

Dem restlichen Volk muss verständlich gemacht werden, dass der Islam im Koran in keiner Weise mit dem Radikalismus einhergeht. Dies wird allein nicht ausreichen, um die Gefahr des Radikalismus zu beseitigen. Währenddessen müssen die Glaubensgemeinschaften in Europa zu überaus friedvollen, demokratischen, laizistischen, qualitativen und künstlerischen Menschen werden. Das ist der einzige Weg, sich gegen die Stärkung des Radikalismus und der terroristischen Gruppen zu stellen. Wenn all dies nicht im Fokus sondern im Schatten wirkungsloser Politik steht, wird das Blutvergießen des IS und die Terrorakte in Europa weiter ansteigen und den Radikalismus nähren.

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